Fährte

Du hast einen jungen Hund, bei dem der tägliche Spaziergang zum Beispiel nicht ausreicht ?

Wie wäre es mit – Fährtenarbeit?
Ja?
Wie schön!

Also steigen wir mal in die Grundlagen ein.
Der Hund besitzt im Durchschnitt ca. 220 Millionen Riechzellen. Er riecht also 44 mal besser als der Mensch. Aber auch beim Hund gibt es Unterschiede. Ein Schäferhund besitzt zum Beispiel mehr Nasenschleimhaut als ein Chihuahua, denn je länger die Nase ist, desto mehr Schleimhaut ist vorhanden.
Beim Menschen ist diese Haut, die ja auch die Riechzellen enthält, 0,006 mm dick, beim Hund hingegen 0,1 mm.
Ein Beispiel: 1 ml Buttersäure in der Fläche des Hamburger Mercedes-Hochhauses reicht dem Hund aus, um die Quelle zu finden. Nur bei Vanille ist der Mensch dem Hund um das 10fache überlegen.
Als Gelände eignet sich eigentlich alles, nur zu Beginn ist der Acker zu empfehlen. Denn wir müssen ja wissen, wo wir lang gegangen sind.
Bevor wir in die Fährte gehen, sollten wir uns auch selbst beobachten. Bei Zeitdruck, Ärger oder Unlust sollten wir gar nicht erst in die Fährte gehen.
Wichtig ist auch zu Anfang, daß wir nicht bei starkem Wind, Hitze oder auf frischgepflügte Felder zur Fährte gehen, da der Hund dort unter den ganzen Aufwirbelungen unseren Geruch nicht richtig wahrnimmt. Die Fährte enthält nämlich nur ungefähr 2 % unseres Individualgeruches. Auch sollten wir das Gelände untersuchen, ob der Bauer frisch gedüngt hat, denn Dünger verbrennt die Nasenschleimhaut.
Was ist überhaupt eine Fährte?
Eine Fährte ist eine Zerstörung von Mikroorganismen. Beim Legen “staubt” es auf, nach einiger Zeit fallen diese Organismen ab. Sofort nach dem Legen ist der Geruch am stärksten. Nach 30 Minuten ist das Suchen für den Hund am einfachsten.
Wir unterscheiden bei der Fährte eine absolute und eine spezifische Reizschwelle.
Die absolute Reizschwelle bedeutet, daß der Reiz des Geruches so stark ist, daß er von der Nase und dem Gehirn des Hundes wahrgenommen wird.
Bei der spezifischen Schwelle handelt es sich um eine Reihe von Tritten, auch Trittsiegel genannt.
Es müssen 5 Faktoren zusammentreffen, damit wir eine Fährte ausarbeiten können:

die Nase – muß vorhanden und “gebrauchsfertig” sein,
die Reizleitung – der Geruchsnerv muß fehlerfrei arbeiten,
das Gehirnzentrum – muß funktionstüchtig sein,
der Reiz – muß für die Nase ausreichend stark sein,
die Aufmerksamkeit – muß auf diesen Reiz gerichtet sein.
So genug der Theorie, zur Praxis.
Die Anfänge der Fährtenarbeit kann man schon mit einem Welpen spielerisch beginnen. Wichtig ist auch, daß der Hund nicht satt zur Fährte geht, denn dann ist sein Interesse äußerst gering. Wenn wir uns entschlossen haben, am frühen Abend in die Fährte zu gehen, bekommt der Hund am Mittag zuletzt zu fressen.
Nun gehört zu einer Fährte aber noch mehr als nur eine Gerade. Im Laufe der Zeit kommen noch je nach Prüfungsstufe mehrere Winkel und Gegenstände hinzu. Auch die Liegezeit der Fährte variiert je nach Prüfung. Nehmen wir mal als Beispiel die Fährtenhundprüfung 1 und im Vergleich dazu die Schutzhundstufe 1.
Bei der Fährtenhundprüfung bleibt die Fährte 3 Stunden liegen, auch wird nicht vom Hundeführer, sondern von jemand anders gelegt. Die Länge beträgt zwischen 1000 und 1400 Schritt, beiinhaltet 6 Winkel und somit 7 Schenkel. Auf diesen Schenkeln werden nach Richteranweisung 4 Gegenstände “verloren”. Nach 30 Minuten wird zudem von einer dritten Person eine Verleitung gelegt, diese muss die Fährte dreimal zu kreuzen.
Anders sieht es bei der Schutzhundprüfung 1 aus. Hier darf der Hundeführer noch die Fährte nach Richteranweisung selbst treten. Sie ist zwischen 350 und 400 Schritt lang und hat 2 Winkel. Die Liegezeit beträgt 20 Minuten und es müssen 2 Gegenstände verwiesen werden.
Die meisten Hunde lernen das Verweisen der Gegenstände durch Hinlegen, falls es aber doch einmal vorkommt, dass der Hund die Gegenstände unterschiedlich verweist, so ist dies nicht fehlerhaft.
Dies alles klingt zwar sehr kompliziert, wird aber dem Hund und Hundeführer in kleinen Schritten von den Ausbildern beigebracht.